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Grußwort anlässlich der Gedenkveranstaltung zum ersten Jahrestag des schweren Erdbebens im Osten Japans

Residenz des Botschafters, Berlin
16. März 2012

 

Sehr geehrter Herr Abgeordneter Mützenich,
sehr verehrte Abgeordnete,
sehr verehrte Exzellenzen,
meine sehr verehrten Damen und Herren ,

vielen Dank dafür, dass Sie heute Abend gekommen sind. Mein Name ist Takeshi Nakane und ich bin seit Anfang März hier in Deutschland. Das Jubiläumsjahr "150 Jahre Japan-Deutschland" im vergangenen Jahr hat mit seinen vielen Veranstaltungen dazu beigetragen, die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern weiter zu vertiefen. Zu den Höhepunkten zählen sicherlich der Besuch Seiner Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen in Berlin sowie der Japanbesuch des Bundespräsidenten. Ich werde mich nun dafür einsetzen, diese bilateralen Beziehungen auch künftig zu fördern und bitte Sie dafür um Ihre Unterstützung.

Am 11. März letzten Jahres verloren durch das schwere Erdbeben und den Tsunami im Osten Japans mehr als fünfzehn Tausend Menschen ihr Leben. Und noch immer gelten über drei Tausend Menschen als vermisst.

Verehrte Gäste,
wir möchten gemeinsam mit Ihnen dieser Opfer in einer Schweigeminute gedenken. Ich möchte Sie nun bitten, sich dafür von Ihren Plätzen zu erheben.

------- (Schweigeminute) -------

Vielen Dank! Bitte nehmen Sie wieder Platz.
Die vielen unersetzlichen Leben, die bei der Katastrophe ausgelöscht wurden, können nicht zurückgeholt werden. Wir Japaner werden den Schmerz derjenigen, die Familienangehörige und Freunde verloren haben, nicht vergessen. Wir werden aber auch etwas anderes nicht vergessen: nämlich die von Herzen kommende Hilfe von Menschen aus der ganzen Welt. Diese Hilfe wurde Japan unmittelbar nach dem Erdbeben in einem überwältigenden Ausmaß zuteil.

Auch vor unserer Botschaft hier in Berlin gedachten zahlreiche Menschen der Opfer mit Blumen und Kerzen. Am 14. März besuchten Bundespräsident Wulff und am 17. März Bundeskanzlerin Merkel sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Botschaft, um sich in das Kondolenzbuch einzutragen. Die Kondolenzbücher, die zahlreichen Bekundungen der Anteilnahme sowie die Papierkraniche, die die Botschaft nach dem Erdbeben erhalten hat, sind heute Abend hier ausgestellt. Bitte werfen Sie nachher einen Blick darauf.

Zudem erhielt die Botschaft zahlreiche Spenden, die bei Benefiz-Veranstaltungen und Sammlungen zusammenkamen. Allein die Botschaft hat rund 370 Tausend Euro entgegengenommen. Darüber hinaus gab es zahlreiche weitere Spenden von Bürgern, etwa an das Rote Kreuz, aber auch von der Regierung sowie von Unternehmen. Insgesamt wurden aus Deutschland mehr als sechzig Millionen Euro nach Japan überwiesen. Diese herzliche Unterstützung wurde über das Japanische Rote Kreuz und über die Kommunen direkt an die Betroffenen weitergeleitet.

Auch dank dieser Hilfe macht der Wiederaufbau Japans stetige Fortschritte. Mit Ausnahme einiger weniger Gebiete gestaltet sich der Alltag der Menschen in Japan wieder wie vor dem Erdbeben. Mein Land ist wieder sicher für Business, Reisen und Studium. Ich möchte Sie bitten, Japan einmal zu besuchen und sich selbst davon zu überzeugen.

In Bezug auf Reisen nach Japan sorgen sich die meisten von Ihnen sicherlich wegen des Atomunfalls in Fukushima. Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi wurde inzwischen der Zustand der Kaltabschaltung erreicht. Damit ist der eigentliche Unfall unter Kontrolle gebracht. Allerdings geht der Kampf gegen die Folgen des Unfalls weiter. Dazu gehört auch, die betroffenen Gebiete wieder bewohnbar zu machen. Vor kurzem wurde der Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission zum Atomunfall veröffentlicht. Die Regierung wird die darin genannten Punkte sorgfältig beachten und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Wir werden uns mit ganzer Kraft für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben einsetzen. Dazu zählen unter anderem die Dekontaminierung, die Gesundheitsvorsorge, die Sicherheit der Lebensmittel, Entschädigungen sowie die Stilllegung der Reaktoren.

Im Rahmen einer der zahlreichen Benefiz-Veranstaltungen wurde uns hier in Berlin ein Papierkranich überreicht. Auf ihm steht geschrieben: "Trotz der Entfernung haben wir ein gemeinsames Herz". Diese Worte bringen zum Ausdruck, dass auch jetzt noch unzählige Menschen in Deutschland in ihren Gedanken bei Japan sind. Ich möchte Ihnen heute ein Beispiel dafür nennen.

Etwa ein halbes Jahr nach dem Erdbeben reisten vom 14. bis 30. September sechzehn Personen aus Berlin in das Katastrophengebiet der Präfektur Iwate. Dort waren sie als freiwillige Helfer im Einsatz. Die Gruppe bestand aus ganz verschiedenen Menschen – vom zwanzigjährigen Studenten bis zum Rentner von 72 Jahren. Sie fanden allein mit dem Ziel, den Menschen in Japan zu helfen, zusammen und nennen sich selbst "Kizuna in Berlin". Diesem Namen entsprechend wirken sie hier in Berlin als starke Bande der Freundschaft zwischen Japan und Deutschland. Während über Japan noch nachteilige Gerüchte im Umlauf waren, haben diese Menschen den langen Weg nach Japan auf sich genommen, um dort Schutt wegzuräumen oder Straßengräben zu reinigen. Das ist eine wirklich schwere Arbeit, für die ich den Mitgliedern dieser Gruppe sehr dankbar bin. Ein Teilnehmer, Herr Doktor Frank Brose, wurde bei dieser Arbeit verletzt. Er verlor einen Teil seines Daumens. Dennoch trat er nicht vorzeitig die Heimreise an, sondern blieb bis zuletzt in Japan. Er meinte: "Wenn ich an die Opfer der Katastrophe denke, die ihre Familien verloren haben, sind meine Schmerzen doch nur ein kleines Problem." Als Botschafter möchte ich im Namen der Menschen in Japan dafür meinen aufrichtigen Dank zum Ausdruck bringen.

Nach dem Erdbeben halfen auch Kinder aus ganz Deutschland auf verschiedene Weise den Kindern in Japan. Auch heute Abend sind als Vertreter der Kinder unserer beiden Länder Schüler der Japanischen Schule Berlin und der Konrad-Grundschule anwesend. Sie werden eine Dank- und Grußbotschaft zum Wiederaufbau nach dem Erdbeben sowie gemeinsam einige Lieder vortragen. Im Anschluss werden der Shamisen-Spieler Hiromitsu Agatsuma und der Pianist Shinji Akita ein Konzert zum Gedenken an die Opfer und für den Wiederaufbau aufführen.

Wir werden die Freundschaft der Menschen in Deutschland, die von jedem einzelnen ausging, nicht vergessen. Als japanischer Botschafter hier in Deutschland werde ich mich dafür einsetzen, dass diese Bande der Freundschaft – die "Kizuna" – gepflegt und für unsere gemeinsame Zukunft weitergereicht werden.

Vielen Dank.

 

- Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des schweren Erdbebens im Osten Japans in der Residenz des Botschafters am 16.03.2012

 


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