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Grußwort von Herrn Botschafter Yagi anlässlich des 10. Deutsch-Japanischen Wirtschaftsforums: Industrie 4.0 im Praxistest

auf der Hannover Messe
27. April 2016

 

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Beckmeyer,
sehr geehrter Herr Dr. Gruchow,
sehr geehrter Herr Yonetani,
sehr geehrter Herr Schürmann,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Herzlichen Glückwunsch zum 10-jährigen Jubiläum des Deutsch-Japanischen Wirtschaftsforums! Dieses Jahr ist auch für die japanische Diplomatie ein ganz besonderes Jahr. So hat Japan von Deutschland die G7-Präsidentschaft übernommen und wird den kommenden Gipfel in Ise-Shima abhalten. Zudem werden ab übermorgen nacheinander die G7-Fachministertreffen für Informations- und Kommunikationstechnologien sowie für Energie stattfinden. Mit Blick auf all diese denkwürdigen Anlässe ist es mir somit eine große Ehre, Sie hier begrüßen zu dürfen.

Japans und Deutschlands Verbindungen auf industrieller Ebene reichen mehr als 150 Jahre zurück. Seit damals hat Japan bei der Modernisierung seiner Industrie und insbesondere im Bereich der Fertigung (monozukuri) viel von Deutschland gelernt. Heute gelten Japan und Deutschland als weltweit führend in der Fertigung. So liegt zum Beispiel der Anteil des produzierenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt in beiden Ländern bei etwa 20 Prozent. Dieser Wert sticht im Vergleich mit anderen führenden Industrienationen heraus, deren Industrieanteil bei circa zehn Prozent liegt. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass kleine und mittlere Unternehmen die tragenden Säulen unserer Volkswirtschaften bilden. In beiden Ländern stellen sie gut 99 Prozent aller Unternehmen. Diese Gemeinsamkeiten bieten die Grundlage für die langfristige Vertiefung ihrer Beziehungen als zuverlässige Geschäftspartner.

Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung der Weltwirtschaft sind die Unternehmen unserer Länder nun zunehmend grenzüberschreitend aktiv. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und Industrien zu steigern, ist es erforderlich herauszufinden, auf welche Weise neue Möglichkeiten aufgezeigt und neue Märkte geschaffen werden können. Für Japan und Deutschland besteht die wichtigste Aufgabe dabei darin, ihre Stärken in Fertigung und Informationstechnologie zu bündeln. Das Thema "Industrie 4.0" als Hauptgegenstand des diesjährigen Forums ist daher von höchster Aktualität.

Als Bundeskanzlerin Merkel im März des vergangenen Jahres Japan besuchte, brachte Premierminister Abe auf einer gemeinsamen Pressekonferenz die beiderseitige Entschlossenheit zum Ausdruck, "durch Industrie 4.0 eine vierte industrielle Revolution in Japan und Deutschland anzustoßen". Um dieses Ziel zu konkretisieren, planen Japan und Deutschland eine gemeinsame Erklärung zur Zusammenarbeit im Bereich "Internet der Dinge". In der Presse wurde darüber bereits berichtet. Auf Grundlage der gemeinsamen Erklärung soll zum Beispiel die Zusammenarbeit bei Standardisierung und Personalentwicklung sowie bei Kooperationen im Mittelstand weiter vorangebracht werden.

Lassen Sie mich an dieser Stelle konkrete Beispiele für japanisch-deutsche Kooperationen anführen: Auf der Eröffnungsfeier der Hannover Messe, an der auch Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Obama teilgenommen haben, wurde eine ausgefeilte Darbietung mit Robotern inszeniert. Auch Japan und Deutschland, die als führende "Roboter-Länder" gelten, sind übereingekommen, unter anderem die Forschungszusammenarbeit in der Robotik weiter voranzutreiben. Diese Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf die Fertigung von Werkzeugmaschinen; stattdessen ist zu erwarten, dass sie beispielsweise auch die Medizin oder Zukunftsthemen wie das automatisierte Fahren einschließen wird.

Zudem werden Überlegungen weitergeführt, künftig mit Deutschland beim Aufbau von Systemen zum Sammeln und Teilen von Daten in den Produktionsstätten zusammenzuarbeiten, und so die internationale Standardisierung in diesem Bereich voranzutreiben. Heutzutage sind die Lieferketten in der Produktion grenzüberschreitend miteinander verbunden. Um die Effizienz in der Fertigung zu steigern und die Wertschöpfung weiter voranzubringen, ist es daher notwendig, die Fabriken weltweit zu vernetzen. Dies wiederum erfordert eine gemeinsame Sprache, in der die Produktionsanlagen miteinander kommunizieren können. Es ist dabei unser gemeinsames Ziel, dass Japan und Deutschland mit ihren starken Produktionsstätten eine Führungsrolle bei der Standardisierung der Software und der Daten übernehmen, die dabei als Kommunikationsmittel dienen.

Für diese konkreten Anstrengungen werden Industrie, Wissenschaft und Regierung beider Länder primär im Rahmen der japanischen "Robot Revolution Initiative" und der deutschen "Plattform Industrie 4.0" zusammenarbeiten.

Abschließend möchte ich kurz auf das deutsche Messewesen eingehen. Die Leistungsschauen, auf denen sich hierzulande Käufer und Verkäufer aus aller Welt versammeln, sind auch für kleine und mittlere Unternehmen aus Japan eine wichtige Plattform, um den Weg ins Ausland zu beschreiten. Die Hannover Messe nimmt dabei eine zentrale Rolle am Messeplatz Deutschland ein. Ich hoffe daher sehr, dass die Zusammenarbeit japanischer und deutscher Unternehmen durch die Nutzung dieser historisch gewachsenen Infrastruktur eine weitere Intensivierung erfahren wird.

Zum Abschluss möchte ich allen, die sich in den vergangenen zehn Jahren so tatkräftig für das Wachsen und Gedeihen dieses Forums eingesetzt haben, meinen Respekt aussprechen. Mögen die kommenden zehn Jahre für Sie alle und für die Zusammenarbeit unserer Länder ebenso erfolgreich werden!

 

 


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