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Grußwort von Herrn Botschafter Yagi anlässlich der Eröffnung und Inbetriebnahme des "Smart-Community Demonstrationsprojektes" in Speyer

im Historischen Rathaus Speyer
30. Mai 2016

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Eger,
sehr geehrter Herr Watanabe,
sehr geehrter Herr Bühring,
sehr geehrter Herr Böhmer,
sehr geehrter Herr Furukawa,
sehr geehrter Herr Aoki,
sehr geehrter Herr Nakagawa,
sehr geehrter Herr Iwazaki,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Herzlichen Glückwunsch zur heutigen Eröffnung und Inbetriebnahme des "Smart-Community-Projektes Speyer"! Es ist mir eine große Freude, diese historische Stadt mit ihrem Dom besuchen zu dürfen, der als zweites deutsches Kulturdenkmal in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurde.

Sie, Herr Oberbürgermeister Eger, engagieren sich nicht nur für die Zusammenarbeit Japans und Deutschlands in den Bereichen Energie und Wirtschaft, wie insbesondere durch dieses Projekt verdeutlicht wird. Sie haben, wie ich hörte, auch als Schirmherr an Veranstaltungen des gemeinnützigen Vereins "Kopf hoch Japan!" mitgewirkt, der sich seit dem schweren Erdbeben im Osten Japans für die betroffenen Gebiete einsetzt. Für die Unterstützung, die Sie und die Bürger Ihrer Stadt in diesem Zusammenhang leisten, möchte ich Ihnen meinen tief empfundenen Dank aussprechen! Soweit ich weiß, werden Sie im nächsten Monat Japan besuchen und unter anderem das hiesige Projekt auf dem "Smart Community Summit 2016" in Tokyo vorstellen. Dazu möchte ich Ihnen bereits an dieser Stelle einen angenehmen und erfolgreichen Aufenthalt wünschen!

Japan hat in diesem Jahr die G7-Präsidentschaft von Deutschland übernommen und vor drei Tagen den Gipfel von Ise-Shima veranstaltet. Bereits Anfang Mai waren die G7-Energieminister in der südjapanischen Stadt Kitakyushu zu einem Treffen zusammengekommen. In ihrer gemeinsamen Erklärung weisen sie unter anderem auf die wesentliche Rolle der Energie für das globale Wirtschaftswachstum hin. Weiter heißt es dort, es stelle für alle Länder eine kontinuierliche Herausforderung dar, den mannigfaltigen Anforderungen an eine stabile Energieversorgung, wirtschaftliche Effizienz, Umweltverträglichkeit und Sicherheit (3E+S) zu begegnen. Einigkeit besteht zudem hinsichtlich der Notwendigkeit besser funktionierender Märkte, diversifizierter Energiequellen und verstärkter Energieeffizienz.

Gefordert sind also Lösungen für globale Umweltfragen. Hier liegt meiner Ansicht nach großes Potenzial gerade für Kooperationen zwischen Japan und Deutschland, die über besondere Stärken bei technologischen Innovationen verfügen. Die Zusammenarbeit beider Länder hat sich in den letzten Jahren auch in den Bereichen Energieeffizienz und stabile Energieversorgung weiter intensiviert. Das Smart-Community-Projekt Speyer steht beispielhaft für diese Entwicklung. Daneben schreitet auch die Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien, wie der Offshore-Windkraft oder bei Speichertechnologien voran.

In Deutschland wurde der Strommarkt 1998 vollständig liberalisiert. Seit April dieses Jahres wird nun auch in Japan eine umfassende Liberalisierung des Stromeinzelhandels vollzogen. Das dadurch eröffnete Marktvolumen liegt bei etwa acht Billionen Yen (umgerechnet etwa 65 Milliarden Euro). Rund achtzig Prozent der Verbraucher ziehen den Wechsel ihres Stromanbieters in Erwägung. Der so entstehende dynamische Energiemarkt, auf dem neue Technologien und Geschäftsmodelle miteinander konkurrieren, steht auch Neugründungen und ausländischen Unternehmen offen.

Wie aber werden sich die Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien angesichts dieser Neuerungen beherrschen lassen? In Deutschland ist der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung rapide auf etwa 30 Prozent* angewachsen. Demgegenüber ist in Japan der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien von zehn Prozent im Finanzjahr 2012 auf etwa zwölf Prozent** im Finanzjahr 2014 gestiegen. Es ist damit zu rechnen, dass auch Japan in Zukunft vor ähnlichen Fragen wie Deutschland stehen wird. Angesichts dessen leistet Speyer in Deutschland somit Pionierarbeit. Denn ich glaube, dass die Erkenntnisse, die hier bei der Umsetzung einer lokalen Energieproduktion für den lokalen Verbrauch erzielt werden, auch bei der Bewältigung künftiger Aufgaben genutzt werden können. Speyer ist, wie ich hörte, eine Stadt mit hohem Umweltbewusstsein, die bestrebt ist, sich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Herr Oberbürgermeister Eger, die Stadtwerke Speyer sowie die GEWO haben im Einvernehmen mit der Bevölkerung die Erfahrungen und Erkenntnisse beider Länder gebündelt, so dass nun die praktische Umsetzung des Projekts erfolgen kann. Für ihr großes Engagement möchte ich allen Beteiligten meinen tiefen Respekt aussprechen. Die hier erzielten Ergebnisse sollten von nun an auf jeden Fall einer breiten Öffentlichkeit in beiden Ländern vermittelt werden.

Abschließend wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung dieses Projekts, das zweifellos als mustergültig für japanisch-deutsche Kooperationen im Energiebereich bezeichnet werden kann!

*Vorläufige Angaben für 2015: 30,1% erneuerbare Energien (davon 3,0% Wasserkraft)
**2014: 12,2% erneuerbare Energien (davon 9,0% Wasserkraft)

 


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