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Japan Brief des Foreign Press Center Japan


13.04.2005
     
 

Antijapanische Demonstrationen in China beunruhigen Japan -
Regierung fordert Zurückhaltung und eine Entschuldigung von China

 Die Nachrichten von gewalttätigen antijapanischen Demonstrationen in verschiedenen chinesischen Städten, die sich gegen diplomatische Vertretungen Japans, japanische Geschäfte, Restaurants und selbst Studenten richteten, haben in Japan für eine Mischung aus Zorn, Bestürzung und Unruhe gesorgt. Die japanische Regierung protestierte und forderte von der chinesischen Regierung eine Entschuldigung und Wiedergutmachung.  Gleichzeitig rief sie die Bevölkerung zur Besonnenheit auf. Trotzdem besteht die Gefahr einer heftigen Gegenreaktion in der japanischen Bevölkerung.

Es schien nur angemessen, dass alle großen japanischen Zeitungen die gewalttätigen Demonstrationen in Beijing, denen Ausschreitungen in Chengdu folgten und die sich bis Guangzhou und Shenzhen ausbreiteten, verurteilten und die chinesische Regierung aufforderten, ihren Einfluss zur Vermeidung solcher Gewaltausbrüche in der Zukunft geltend zu machen. Die Medien erwähnten, dass die Behörden hinter den Demonstranten standen und hoben den Umstand hervor, dass die chinesische Regierung die Ausschreitungen offensichtlich duldete - obgleich diese die Verantwortung für die "spontanen" Ausschreitungen der chinesischen Bevölkerung zurückwies. Einige Zeitungen führten an, dass "politische Aktionen solchen Ausmaßes in einem Staat, der alles unter strenger politischer Kontrolle hat, schwerlich spontan sein können."

"Man kann nicht umhin, Anschläge auf die Japanische Botschaft in Beijing, der Hauptstadt des kommunistischen Chinas, als nicht normal zu bezeichnen", kommentierte die Nihon Keizai Shimbun in ihrer Ausgabe vom 10. April. "Die antijapanische Demonstration in Beijing, die erste seit zwanzig Jahren, die zudem alle vorherigen an Ausmaß und Gewalt übertraf, könnte Chinas Image im Ausland erheblich beschädigen", schrieb die Mainichi Shimbun am 11. April. "Die Japaner dürfen natürlich nicht vergessen, dass Chinas antijapanische Empfindungen historische Wurzeln haben; die Chinesen sollten jedoch ihrerseits verstehen, dass unbegründete antijapanische Vorbehalte Chinas eigenen Interessen schaden können."

Die Sankei Shimbun und die Yomiuri Shimbun waren strikter in der Verurteilung der gewalttätigen Demonstrationen und beschuldigten direkt die chinesische Regierung. "Bevor man die Ursachen der chinesischen Ausschreitungen sucht, sollte Japan scharfen Protest gegen die Unrechtmäßigkeit und Barbarei dieser Demonstrationen einlegen", forderte die Sankei Shimbun in ihrer Ausgabe vom 12. April. Am 13. April argumentierte die Zeitung, dass "sich die chinesischen Behörden in ihrer internationalen Verantwortlichkeit zum Schutz ausländischer diplomatischer Missionen als ungeeignet zur Ausrichtung der Olympischen Spiele erwiesen haben". "Ist alles, was gegen Japan gerichtet ist, erlaubt?" fragte die Yomiuri Shimbun. "Wir haben nichts davon gehört, dass die Polizei je versucht hat, die Randale zu unterbinden. Das darf in einem Rechtsstaat nicht erlaubt sein", schrieb sie am 11. April.

Die Asahi Shimbun bezeichnete die Situation in ihrer Ausgabe vom 11. April als "die wahrscheinlich schlimmste Lage seit der Normalisierung der Beziehungen 1972" und unterstrich, dass "viele Japaner durchaus über das von China in Frage gestellte und von Nachbarstaaten eingeforderte Geschichtsbewusstsein verfügen. Wenn die Gewalt jedoch anhält, laufen die Stimmen der Vernunft auf beiden Seiten Gefahr, in der emotionalen Auseinandersetzung unter zu gehen."

In einem Artikel des folgenden Tages (12. April) fragte die Asahi: "Wer konnte sich eine solche Verschlechterung der Beziehungen zu China in solch kurzer Zeit vorstellen?" "Die Beziehungen zu Asien, insbesondere China, bildeten einen der wichtigsten Grundpfeiler der japanischen Außenpolitik, da der Aufbau eines stabilen Verhältnisses zu dem mächtigen Nachbarn als unumgänglich für die Sicherheit und das Wohlergehen Japans galt. Vor diesem Hintergrund wirkten Ministerpräsidenten, Diplomaten und Politiker sowohl der Regierung als auch der Oppositionsparteien in der Vergangenheit Schritt für Schritt in diese Richtung. Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen prosperierten in einem früher schwer vorstellbaren Ausmaß, und die gemeinschaftliche Basis der Verbindungen zwischen beiden Ländern war durchaus stabil", stellte der Artikel fest. "Warum ist all dies dann passiert?"

Dieser Artikel bezog sich dann auf zahlreiche innenpolitische Faktoren, wie z.B. die aus dem schnellen ökonomischen Wachstum Chinas resultierenden Einkommensunterschiede, die wiederum soziale Unsicherheit und Unzufriedenheit hervorriefen, oder die in den neunziger Jahren propagierte "patriotische Erziehung", die insbesondere unter chinesischen Jugendlichen zu Vorbehalten gegen Japan führte. Die Zeitung rief die chinesische Führung auf, dies entsprechend zu berücksichtigen und bei Gewalt hart durchzugreifen. Sie kritisierte dabei die Besuche von Ministerpräsident Koizumi im Yasukuni-Schrein als eine Ursache für die Verschlechterung der bilateralen Beziehungen.

Die Sankei Shimbun akzeptierte die historisch bedingten Vorbehalte Chinas gegenüber Japan und seinen Widerstand gegen Japans Streben nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat - kritisierte China aber andererseits für seine "patriotische Erziehung", die sein eigenes historisches Geschichtsbild als "absolute Wahrheit" postuliert und Japan zwingen möchte, dieses anzuerkennen. Die jüngsten antijapanischen Ausschreitungen zeigen die Auswirkungen einer solchen Erziehung und Einstellung gegenüber Japan, betonte die Zeitung am 10. April. Die Zeitung kritisierte gleichzeitig die "verständnisvolle und versöhnliche" Position, die die japanische Regierung durch ihren Chefkabinettsekretär Hiroyuki Hosoda einnahm, der gegenüber der Presse äußerte: "Eine einfache Verurteilung (der Demonstrationen) als ungeheuerlich wäre müßig." "Versöhnliche Töne wie "Die Verantwortung liegt genauso bei Japan" oder "Provoziert China nicht!" hätten erst zu dem Teufelskreis der Drohungen Chinas gegenüber Japan geführt", behauptete die Zeitung am 12. April.

Negative Auswirkungen auf florierende Wirtschaftsbeziehungen befürchtet

Drei Faktoren führten die japanischen Zeitungen als Ursachen für die gewalttätigen antijapanischen Demonstrationen in China an - die patriotische Erziehung, die wachsende Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung angesichts der großen wirtschaftlichen Ungleichheiten und die Verbreitung des Internets. Der Hongkong-Korrespondent der Yomiuri Shimbun berichtete z.B. über die antijapanische Demonstration in Shengzen am 3. April: "Seit den Vorfällen auf dem Tiananmen-Platz 1989 praktiziert die chinesische Regierung eine totale patriotische Erziehung in den Schulen und hat somit eine jetzt zwanzig- bis dreißigjährige "patriotische Generation" herangezogen, die die Massen über das Internet mobilisiert. Eine Korrespondentin der Nihon Keizai Shimbun schrieb aus Beijing darüber, was sie als "das Vorhandensein eines Bodensatzes innerhalb der chinesischen Bevölkerung" bezeichnete. "Viele Wanderarbeiter beteiligten sich mit Steinwürfen an den Demonstrationen, da sie mit der Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft aufgrund ökonomischer Unterschiede unzufrieden sind und die Korruption unter hohen Beamten ihren Höhepunkt erreicht hat."

Seit japanische Supermärkte in Chengdu, Beijing, Guangzhou und Shenzhen durch Demonstranten verwüstet wurden und japanische Geschäfte das Ziel physischer oder verbaler Attacken wurden, macht sich Besorgnis breit, dass japanische Investitionen in China von den politischen Spannungen betroffen werden. Man befürchtet, dass Boykotte japanischer Waren um sich greifen. Die Mainichi Shimbun widmete sich am 11. April dem "Risiko China" als ein insbesondere für wirtschaftliche Aktivitäten in China bestehendes Risiko und schrieb: "Es ist ein Risiko Chinas, dass Demonstrationen leicht außer Kontrolle geraten, ebenso wie die Kräfte, die antijapanische Ressentiments durch rassistische diskriminierende Rhetorik schüren." "Allerdings werden zahlreiche japanische Produkte durch chinesische Arbeiter in China hergestellt und ein Boykott somit gegenstandslos", so die Zeitung.

Indem sie hervorhob, dass sich die antijapanische Stimmung in erster Linie gegen japanische Unternehmen richtet, stellte die Mainichi Shimbun  in ihrer Ausgabe vom 13. April Chinas Wunsch nach Erhalt eines Status als marktwirtschaftlich orientiertes Land in der Welthandelsorganisation (WTO) in Frage. "Japanische Geschäfte werden durch antijapanische Demonstrationen gestürmt, während die chinesischen Behörden untätig bleiben - und dies wird in aller Welt gezeigt", schrieb sie. "Sollte China den Eindruck vermitteln, als Markt mit besonderem Risiko behaftet zu sein, wird es dies dem Land erheblich erschweren, in den Genuss des marktwirtschaftlichen Status der WTO zu kommen", argumentierte sie weiter. China soll nach seiner Aufnahme in die WTO im Jahre 2001 15 Jahre lang als nicht-marktwirtschaftlich orientierter Staat behandelt werden, was diverse Nachteile im internationalen Handel für seine Produkte mit sich bringt. "Wer wird am meisten unter der Verunsicherung der japanischen Industrie leiden? China sollte dies aufmerksam bedenken", warnte die Zeitung.

(Copyright 2005 Foreign Press Center Japan)

 

 

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