Botschaft von Japan

Allgemein

Notizen aus der Redaktion

alt text

Bild: Der Tempel Kiyomizu-dera in Kyoto (Foto: Japan National Tourism Organization)

Wenn der Dezember näher rückt, begegnen einem im Fernsehen und in den Zeitungen immer öfter Jahresrückblicke – ein Trend, den man sowohl in Japan als auch in Deutschland beobachten kann. Ein Event zum Ende des Jahres, über das die japanischen Medien regelmäßig berichten, obwohl es noch gar keine so eine lange Tradition hat, ist das „Kanji des Jahres“, also die Bekanntgabe eines chinesischen Schriftzeichens, mit dem das zu Ende gehende Jahr in besonderer Weise charakterisiert wird. Für diese Kolumne habe ich einmal nachgeschaut und herausgefunden, dass in Japan der 12. Dezember der „Tag des Kanji“ ist. Um dieses Datum herum wird im Tempel Kiyomizu-dera in Kyoto das Schriftzeichen bekanntgegeben, das unter den Einsendungen die meisten Stimmen erhalten hat. 1995, als dieser Wettbewerb zum ersten Mal stattfand, war das Jahr des schweren Erdbebens in Kobe. Damals wurde das Schriftzeichen 震 (SHIN = schütteln, beben) gewählt. Wer aber denkt, dass 2011 nach der Erdbebenkatastrophe im Osten Japans dieses Kanji erneut vorkam, irrt – das Kanji jenes Jahres war 絆 (kizuna = Band der Freundschaft). Ich muss gestehen, dass mir das im letzten Jahr gewählte Schriftzeichen beim besten Willen nicht einfallen wollte, so dass ich erst nachschauen musste; es war 安 (AN = Ruhe, Frieden). Sowohl in Japan als auch im Ausland hatte es im Jahr 2015 zahlreiche Vorfälle gegeben, die Anlass zur Sorge um unsere Sicherheit gaben. Zudem traten in Japan neue Gesetze für Frieden und Sicherheit in Kraft, die im besonderen Fokus der Öffentlichkeit in Japan und in aller Welt standen. Ein Blick auf die Liste der bisher ausgewählten Kanji vermittelt den Eindruck, dass für viele Menschen Ereignisse in Japan ein Kriterium für ihre Wahl sind. Ich selbst, der das ganze Jahr damit beschäftigt war, außerhalb Japans für mein Land zu werben, sehe mich daher außerstande, eine Prognose für das diesjährige Kanji abzugeben. Allerdings war es zumindest in diesem Jahr so, dass die Themen in Bezug auf Japan in den deutschen Medien und die wichtigsten Meldungen in Japan selbst teilweise übereinstimmten. Das Außenministertreffen der G7 in Hiroshima, über das ich selbst in dieser Kolumne berichtet habe, das Gipfeltreffen in Ise-Shima mit dem anschließenden Besuch von Präsident Obama in Hiroshima, der weltweite Hype wegen Pokémon Go im Sommer oder der Auftritt von Premierminister Abe als Super Mario bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Rio – über diese Ereignisse, die in Japan einen besonderen Eindruck hinterlassen haben, wurde auch in den deutschen Medien berichtet. Und auch wenn diese Meldungen hierzulande sicher nicht im Zentrum der Nachrichten standen, so war doch meiner Meinung nach dieses Jahr, in dem vergleichsweise positiv über Japan berichtet wurde, für jemanden, dessen Aufgabe die Vermittlung Japans hier in Deutschland ist, kein schlechtes Jahr.

Wenn man aber sowohl in Japan als auch in Deutschland nachfragt, welche Ereignisse 2016 geprägt haben, werden die allermeisten wohl auch mit Blick auf das kommende Jahr 2017 den „Brexit“ und die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten nennen. Man kann keineswegs behaupten, dass sich der Zustand der Welt hinsichtlich der „Sicherheit“, dem Schlüsselwort des letzten Jahres, zum Besseren gewendet hat. Was sich aber sagen lässt, ist die Botschaft, die auch Bundespräsident Gauck bei seinem Japanbesuch im November vermittelt hat: Gerade in einer solchen Zeit kommt Japan und Deutschland eine besonders wichtige Rolle zu, und es bestehen zahlreiche Felder, auf denen unsere beiden Länder zusammenwirken können.

Auch im kommenden Jahr möchten wir Ihnen wieder auf dieser Homepage und auch auf anderen Wegen über Japans Engagement in den unterschiedlichsten Bereichen berichten sowie Projekte und eine Öffentlichkeitsarbeit gestalten, die bei möglichst vielen Menschen hier in Deutschland das Interesse für Japan wecken. Für dieses Jahr möchte ich diese Kolumne mit dem Wunsch beschließen, dass im nächsten Jahr um diese Zeit herum mehr Anlass zur Hoffnung besteht als in diesem Jahr.

Kiminori Iwama, Gesandter