Botschaft von Japan
Neues aus Japan Nr.49                           Dezember 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An einem Wochenende im November wurde in den Räumen unseres Botschaftsgebäudes der dritte Botschafter-Cup im Go ausgetragen. Und obgleich sich jetzt viele fragen werden – „Was für ein Botschafter-Cup?“, fanden sich fast hundert Spieler und Interessierte aus Berlin und auch von weiter her ein, um einem Spiel zu frönen, das bei uns – wenn überhaupt – als das „Japanische Schach“ bekannt ist. Unter ihnen war auch Günter Cießow, der sich der verdienstvollen Aufgabe angenommen hat, nicht nur das Go-Spiel an sich, sondern auch einen der ehemals stärksten Go-Spieler Deutschlands und Lehrer Cießows, Felix Dueball, ein wenig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

„Felix Dueball – Go-Pionier aus Berlin“ heißt denn auch das Buch, das im letzten Monat erschienen ist und das sich selbst als “Eine Reminiszenz aus ‘Go-licher’ Sicht“ versteht. Neben dem Werdegang des Felix Dueball (1880 bis 1970), der über das Schachspiel zum Go gelangte und ob seiner Passion schließlich 1930 sogar ein Jahr in Japan verbrachte, um sich dort als deutscher Go-Meister mit den japanischen Koryphäen dieses Sports zu messen, erfährt man in Cießows Buch viel Wissenswertes über Japan, den vielen Go-Verbundenen und schließlich das faszinierende Spiel an sich.

Das vor 4000 Jahren in China entstandene Go-Spiel, das Felix Dueball als „eines der schönsten Geschenke, die die ostasiatische Kultur uns gewähren konnte“, beschrieb, besitzt eigentlich nur zwei Regeln. Zwei Spieler versuchen mit schwarzen bzw. weißen Steinen durch Belegung von Schnittpunkten Flächen für sich abzuriegeln. Es wird somit nur gesetzt und die eingeschlossenen gegnerischen Steine werden herausgenommen und als je ein Punkt zugunsten des Eroberers gebucht. Die Regeln klingen somit weitaus simpler als die des Schachspiels – aber einfacher ist das Go-Spiel dadurch längst nicht. Die Steine können an den Schnittstellen der 19 vertikalen und horizontalen Linien auf immer neue Art und Weise platziert werden, so dass kein Spiel dem anderen gleicht und es kaum möglich ist, Zugkombinationen wie beim Schach zu entwickeln. Ist Go somit aufgrund der Unerschöpflichkeit seiner Möglichkeiten „die einzige und wahrhafte Zuflucht der Schachmüden“?

Gut möglich. In erster Linie ist es jedoch auch ein Spiel, das wie kaum ein anderes die Welten japanischer Diplomatie vermittelt. In einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1934 wird folgendes berichtet: „Nach den Spielregeln eröffnet Schwarz und hat damit Vorteil. Es entsteht also bei jedem Spiel unter Japanern zuerst die knifflige Frage, was höflicher ist: dem anderen Schwarz zu geben und damit den Vorteil, aber auch die beleidigende Gewissheit, dass man ihn für schwächer hält – oder selber Schwarz anzunehmen, sich damit für den Schwächeren zu erklären, aber den Vorteil des ersten Zuges einzustecken. Die Japaner haben ... die Frage dahin entschieden, dass der höflichere gern den Ruf des schlechteren Spielers hinnimmt, dafür aber den praktischen Vorteil des ersten Zuges an sich reißt.“

Ein Spiel somit, in dem es nicht in erster Linie um Sieg oder Niederlage geht, sondern um Harmonie, Würde und Respekt. Den zollt Günter Cießow in seinem Buch dem Go-Altmeister Felix Dueball. Wenn das Buch dazu angetan ist, dem Go-Spiel weitere Anhänger zu gewinnen, würde uns das freuen.

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"Go-Pionier aus Berlin - Felix Dueball"