„Kodo“ bedeutet „Weg des Duftes“ und ist eine traditionelle Kunst, die in Japan ebenso hoch geachtet wird wie die Teezeremonie oder das Blumenstecken. Holz kommt bei dieser besonderen Kunst der Wertschätzung von Räucherwerk eine wichtige Rolle zu.
Zusammenarbeit und Fotos: Nippon Kodo Co., Ltd., Koju

Bild: Halten Sie Ihre Hand leicht über den Räucherbecher und „lauschen“ Sie dem Duft. Diese anmutige Geste ist Teil der „Kodo“-Etikette.
Als eine in Japan entwickelte Kultur des Duftes ist „Kodo“ untrennbar mit Dufthölzern verbunden. Es heißt, Räucherwerk, auf Japanisch „Koboku“ (wörtlich „Duftholz“), sei zusammen mit der Einführung des Buddhismus nach Japan gelangt und sei ursprünglich verwendet worden, um den Raum vor einem buddhistischen Altar zu reinigen. Bereits im 8. Jh. begannen Angehörige des Adels mit dem Abbrennen von Räucherpastillen, bestehend aus einer Mischung aus Duftholz in Pulverform und weiteren aromatischen Zutaten, zum Beräuchern ihrer Wohnräume und Kleidung. Der zeremonielle Aspekt der Räucherung gewann später auch unter den Samurai an Beliebtheit. Schließlich entwickelte sich die Kunst der Wertschätzung von Räucherwerk und Duft im 16. Jh. in Gestalt des „Kodo“ zu einem festgefügten Regelwerk.

Bild: Beim „Kodo“ wird eine Kombination von sechs Arten von Räucherwerk verwendet.

Bild: Sandelholz besitzt ein holziges Aroma. Zusammen mit Räucherwerk wird es auch für das Schnitzen von Buddhastatuen und Kunsthandwerk verwendet.
Es gibt zwei Hauptarten von „Koboku“-Räucherwerk, die für die Räucherzeremonie verwendet werden: Sandelholz und Adlerholz. Von Bäumen der Familie der Santalaceae (Sandelholzgewächse) stammend, besitzt Sandelholz ein süßliches Aroma und wird für Gegenstände verwendet, die mit buddhistischen Altären assoziiert werden. Adlerholz stammt von Bäumen der Familie der Thymelaeaceae (Seidenbastgewächse), die ein Harz absondern, wenn sie geritzt oder gefällt werden. Dieses Harz, das über viele Jahre aushärtet, wird zu einer aromatischen Substanz, die ihren Duft verströmt, sobald man sie erwärmt. Auch wenn das Räucherwerk von Baum zu Baum variiert, wird Adlerholz-Harz von höchstem Gütegrad unter dem Namen „Kyara“ seit alters sehr geschätzt.

Bild: Ein „Koro“-Räucherbecher, wie er in „Kodo“-Zeremonien verwendet wird. Ein winziges, etwa zwei Quadratmillimeter kleines Stück Räucherwerk wird auf einem Blättchen aus Glimmermineral über Holzkohlenasche platziert.

Bild: In einem „Kumiko“ „lauschen“ die Teilnehmer verschiedenen Arten von Räucherwerk, um zu versuchen, die unterschiedlichen Düfte zu unterscheiden.
Beim „Kodo“ „lauschen“ die Teilnehmer dem Duft und genießen das Aroma des in kleinen Keramikbechern erwärmten Räucherwerks, die „Koro“ genannt werden. Die individuellen Qualitäten jedes Duftes werden mit Begriffen des Geschmacks beschrieben, zum Beispiel als süß, sauer oder bitter. Die Räucherzeremonie beinhaltet zudem vornehme Spiele wie etwa „Kumiko“. Die Teilnehmer lauschen den verschiedenen Arten von Düften, beschreiben die Unterschiede im Aroma und identifizieren den einen Duft, der mit einem bestimmten „Waka“-Kurzgedicht in Verbindung steht. Selbst kleinste Veränderungen des Wetters oder der Luftfeuchtigkeit können den Duft von Räucherwerk beeinflussen und machen dieses Ratespiel zu einer echten Herausforderung. Es geht bei diesem Spiel nicht darum zu gewinnen oder zu verlieren, sondern darum, dass man sich ganz dem Genießen des Duftes verschreibt, der von einem winzigen Stück Duftholz her weht, um so die eigene Vorstellungskraft zu jahreszeitlichen Freuden und literarischem Genuss anzuregen.

Bild: Sich einen Moment Zeit zu nehmen, um sich auf ein Räucherwerk zu konzentrieren und darauf, was sein Duft in einem hervorruft, hat viel mit Meditation gemeinsam.

Bild: Eines der berühmtesten existierenden „Kyara“ ist das Ranjatai. Dieses Stück Duftholz wird im Shosoin-Schatzhaus aufbewahrt, in dem Schätze des Kaiserhauses gelagert werden, die teilweise bis ins 8. Jh. zurückreichen. Das Duftholz wiegt 11,6 kg und hat eine Länge von 156 cm.
Die Freuden des japanischen Duftes

Bild: Westliche Aromatherapie beinhaltet bestimmte deutlich wahrnehmbare Düfte wie Rosen, Lavendel oder Pfefferminz – Düfte, die man sofort erkennt, wenn man ihnen begegnet. Im Gegensatz dazu beschwören die abstrakten Düfte eines Räucherwerks einzigartige Welten herauf, die von den von ihnen hervorgerufenen Gefühlen gebildet werden. Da der Geruchssinn alle anderen Sinne beeinflusst, schärft die Kunst der Wertschätzung von Räucherwerk auch Sehen, Fühlen, Schmecken und Hören und erweitert so die Art und Weise der Funktionen unseres Körpers. (Basierend auf einem Gespräch mit INAGAKI Yoshihiro (Koju))
Das Original dieses Beitrags wurde von niponica, dem Web-Magazin von Web Japan (Außenministerium von Japan), übernommen und für NEUES AUS JAPAN ins Deutsche übersetzt. Den Originalbeitrag (in englischer Sprache) finden Sie hier: https://web-japan.org/niponica/niponica32/en/feature/feature05.html