Botschaft von Japan

Natur

Winter in Japan im Kansai-Stil: Landschaftliche Schönheit, quirlige Feste und leckere Gerichte

Winter in Japans Kansai-Region – das bedeutet stille und verschneite Landschaften Seite an Seite mit warmherzigen geschäftigen Aktivitäten der Menschen. Atemberaubende Anblicke, tief im Alltag verwurzelte Traditionen sowie jahreszeitlicher Geschmack: Hier stellen wir einige der wesentlichen Erfahrungen vor, die den Winter in Japan – und besonders in der Region Kansai – zu einer unwiderstehlichen Bilderfolge aus den Sphären von Mensch und Natur machen.

„Brücke in den Himmel“: Zugang zu einer anderen Welt

Amanohashidate ist eine langgezogene, schmale Sandbank, die sich rund 3,6 km weit über die Bucht von Miyazu im Norden der Präfektur Kyoto erstreckt. Sie ist auf natürlichem Weg vor mehreren tausend Jahren entstanden, zwischen zwanzig und 170 m breit und mit etwa 6.700 Kieferbäumen dicht bewachsen. Die geheimnisvolle Schönheit dieser seltenen Naturerscheinung hat ihr zusammen mit Matsushima in der Präfektur Miyagi und Miyajima in der Präfektur Hiroshima einen Platz unter den berühmten „Drei Schönsten Landschaften“ Japans gesichert. Dieses Trio besonders schöner Stätten wird seit dem 17. Jh. bewundert. Der Name Amanohashidate bedeutet „Brücke in den Himmel“ und tauchte erstmals im „Tango Fudoki“, einer Landesbeschreibung der Provinz Tango (im Norden der heutigen Präfektur Kyoto) aus dem Jahr 713 auf. Man glaubte, dass diese Sandbank wie eine Himmelsbrücke über dem Wasser von als „kami“ bekannten göttlichen Wesen überquert wird. Im Winter erinnert ihr Anblick mit den schneebedeckten Kiefern an eine klassische Tuschmalerei. Von nahe gelegenen Aussichtsplattformen aus betrachtet, erscheint der Anblick der sich durch die Bucht ziehenden Sandbank, der Dörfer an der gegenüberliegenden Küste und der Berge, die sich dahinter erheben, in ihrer Schönheit fast überirdisch.

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Bild: (Foto: AFLO)

Ein Winterfest als Bitte um Wohlstand

Toka Ebisu ist ein Festival, das jedes Jahr vom 9. bis 11. Januar vor allem im Westen Japans stattfindet. Es wird zu Ehren von Ebisu, dem „kami“ des Wohlstands, gefeiert. Im Imamiya Ebisu-Schrein in Osaka erleuchten die Laternen mit ihrem warmen Licht die Nächte während des Festes, wenn das Gelände des Schreins voller Gläubiger ist, die dort „fukuzasa“ erhalten, Bambusgrasbüschel mit Glückssymbolen. Verteilt werden diese von „fukumusume“ oder „Glücksmädchen“, die traditionell als Mittlerinnen zwischen den Gläubigen und Ebisu auftreten. Ihre Rufe „Shobai hanjo de sasa motte koi!“ (wörtlich „Bring Bambusgras und dein Handel wird erblühen!“) sind wichtige Bestandteile des Festes. Nachdem sie ihre „fukuzasa“ erhalten haben, beten die Gläubigen voller Freude um ein weiteres gutes Jahr.

Am Nishinomiya-Schrein in der Präfektur Hyogo wird der Höhepunkt von Toka Ebisu durch eine Zeremonie am frühen Morgen des 10. Januar markiert. Sobald sich die Tore um Punkt sechs Uhr öffnen, läuft eine große Menge von Gläubigen zur 230 m entfernten Haupthalle des Schreins, wo die drei ersten Ankömmlinge als „Fukuotoko“ oder „Glücksmänner“ geehrt werden (dies ist der traditionelle Name; am Lauf dürfen alle Menschen, unabhängig vom Geschlecht, teilnehmen). Sie gelten als Boten für die guten Zeiten, die das neue Jahr bringt.

Toka Ebisu ist ein quirliges Event mitten im Winter und ein Beispiel dafür, wie sich traditionelle Glaubensvorstellungen auch inmitten der städtisch geprägten Gegenwartskultur Japans bewahrt haben.

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Bild: (Foto: Mainichi Newspaper/AFLO)

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Bild: (Foto: Mainichi Newspaper/AFLO)

Orangefarbene Terrassenfelder leuchten in der winterlichen Sonne

In der Präfektur Wakayama wird rund ein Fünftel von Japans „mikan“-Mandarinen („Citrus unshiu“) geerntet. Dies macht sie zu Japans führendem Anbaugebiet für diese Frucht. Arida Mikan, die seit mehr als 450 Jahren in der inmitten der Präfektur gelegenen Region Arida produziert werden, gelten als eine der bekanntesten Mikan-Sorten des Landes. 2025 wurden die „Mikan-Gartenanlagen mit ihren Steinterrassen in der Region Arida-Shimotsu“ von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) offiziell als „Global wichtiges System des landwirtschaftlichen Kulturerbes“ anerkannt. Inmitten der winterlichen Kälte erglühen die Berge gleichsam im Glanz der orangefarbenen Früchte im milden Winterlicht. Zur Erntezeit wird jede Mikan mit der Hand gepflückt und als winterliche Spezialität mit ihrer perfekten Balance zwischen herbem und süßem Geschmack in alle Regionen des Landes versendet. Die Mikan-Gärten von Wakayama sind mehr als nur agrarwirtschaftlich geprägte Landschaften: Sie sind Symbole der Koexistenz von Mensch und Natur, die lange den japanischen Way of Life charakterisiert hat. Der Anblick dieser leuchtenden Winterlandschaften erwärmt die Herzen jedes Betrachters.

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Bild: (Foto: pixta.jp – 98075750)

Ein Gericht zu Neujahr mit zwei köstlichen Geschmäckern

„Zoni“ ist ein Suppengericht, das sich zu Neujahr überall in Japan großer Beliebtheit erfreut. Klöße aus Klebreis („mochi“) bilden die übliche Einlage, aber es gibt zahlreiche regionale Varianten. In Nara wird „zoni“ mit heller Miso-Brühe zubereitet, da ihr Geschmack etwas milder ist. Die Klöße sind rund und symbolisieren den Wunsch nach einem Jahr voller Harmonie („enman“; wörtlich: „rund und voll“) für die Familie. Das Gemüse, das noch hinzukommt, wird ebenfalls in runde Scheiben geschnitten. „Zoni“ aus Nara ist zudem bekannt dafür, dass die „mochi“ vor dem Verzehr in eine besondere Schale mit „kinako“ (geröstetem Sojabohnen-Pulver) getunkt werden. Es gibt, wenn überhaupt, nur wenige Gegenden in Japan, wo man die „mochi“ aus der Suppe nimmt und noch einmal extra würzt, bevor sie gegessen werden. In Nara hingegen ist dieser „Geschmackswechsel“ fester Bestandteil des „Zoni“-Erlebnisses. Er macht das Gericht zu etwas Einzigartigem, bei dem die verschiedenen Geschmacksrichtungen einfach zum Vergnügen dazugehören.

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Bild: (Foto: pixta.jp – 6589757)

Das Original dieses Beitrags wurde von KIZUNA, dem offiziellen Online-Magazin der Regierung von Japan, übernommen und für NEUES AUS JAPAN ins Deutsche übersetzt. Den Originalbeitrag (in englischer Sprache) finden Sie hier: https://www.japan.go.jp/kizuna/2025/12/winter-japan-kansai-style.html