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Umwelt

Wenn der Kaffeesatz von gestern die Bohnen von heute röstet: Die Kreislaufwirtschaft-Initiative eines jungen Unternehmers

Jedes Jahr werden weltweit acht Millionen Tonnen Kaffeebohnen konsumiert. Japan allein hat daran einen Anteil von 400.000 Tonnen*. Beim Aufbrühen dieses ganzen Kaffees fällt sehr viel Kaffeesatz an – der praktisch vollständig als Abfall entsorgt wird. Allerdings hat nun ein junger Unternehmer aus Japan ein bislang einmaliges Kreislaufsystem entwickelt, bei dem Kaffeesatz als Brennstoff für das Rösten neuer Kaffeebohnen genutzt wird.

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Bild: Wiedergewonnener Kaffeesatz wird ohne Bindemittel zu festen Pellets geformt und als Brennmaterial für den Röstprozess wiederverwendet.

Der Boom sogenannter Corporate Coffee Shops und die zunehmende Zahl von Kaffeemaschinen zur Selbstbedienung in Convenience Stores (kleinen Supermärkten) haben dazu geführt, dass Kaffee heute ein fester Bestandteil des Alltags in Japan ist. Der größte Teil des beim Brühen anfallenden Kaffeesatzes wird hingegen entsorgt; nur ein kleiner Bruchteil findet Wiederverwendung als Tiernahrung oder Dünger. Gibt es einen Weg, um die riesigen Mengen an ungenutzten Ressourcen, die in Form von Kaffeesatz tagtäglich anfallen, effektiv zu nutzen? Der Kreislauf-Kaffeeröster Atarao gibt auf diese Frage eine bejahende Antwort.

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Bild: AOKI Nozomu ist Chef des Kreislauf-Kaffeerösters Atarao, der entsorgtem Kaffeesatz einen neuen Wert verleiht. Er engagiert sich zudem für die Kreation weiterer Originalprodukte, die aus Kaffeesatz hergestellt werden, darunter Seife und Kerzen.

Eine Rösterei, die gemeinsam von Atarao-Chef AOKI Nozomu und von YAMAMOTO Kei vom Unternehmen Cove Coffee Roasters ins Leben gerufen wurde, nutzt ein einzigartiges Verfahren, um Kaffeesatz zu 100% als Brennstoff für das Rösten neuer Bohnen wiederzuverwenden.

Als Gründe für die bislang nur minimale Nutzung von Kaffeesatz gelten die Herausforderungen, die beim Lagern des Kaffeesatzes entstehen, der einen Großteil der Feuchtigkeit nach dem Brühprozess behält und daher zum Schimmeln neigt, sowie die Kosten für das Einsammeln und den Transport, da sowohl Volumen und Gewicht des Kaffeesatzes recht groß sind. Selbst wenn diese Probleme gelöst werden, sind die Optionen für die Wiederverwendung von Kaffeesatz sehr beschränkt, so dass bislang wenig Motivation bestand, dies zu ändern.

Bei Atarao wird der anfallende Kaffeesatz getrocknet, in zylindrische Behälter verpackt und anschließend erhitzt sowie gepresst, um ihn so zu festen Pellets zu formen. Diese Pellets werden dann in einem speziell angefertigten hocheffizienten Bohnenröster verbrannt. Das Modell veredelt den Abfall im Rahmen eines Kreislaufs, da der beim Aufbrühen anfallende Kaffeesatz, dazu verwendet wird, neue Kaffeebohnen zu rösten. Das Pressen des Kaffeesatzes in feste Zylinder reduziert das Volumen und vereinfacht Lagerung und Transport. Weil die Pellets zudem nicht durch ein Bindemittel zusammengehalten werden, treten beim Brennprozess auch keine schädlichen Substanzen auf.

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Bild: Die Idee des Röstens von Kaffeebohnen in einem Kreislaufverfahren fand bei Atarao-Mitgründer YAMAMOTO Kei, der dort für das Rösten zuständig ist, sofort Anklang.

„In einer typischen Rösterei, die im Laufe des Jahres etwa eine Tonne Kaffeebohnen röstet, werden rund eine Tonne CO2 emittiert“, erläutert Aoki. „Beim Verwenden von Kaffeesatz als Brennmaterial wird nur das CO2 freigesetzt, das vom Kaffeebaum während des Wachsens aufgenommen wurde. Wir werten dies als Erreichen von CO2-Neutralität.“

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Bild: Die Kaffeebohnen werden mithilfe von Brennmaterial geröstet, das ausschließlich aus gepresstem Kaffeesatz besteht. Dieses Material setzt mehr Hitze frei als Brennholz oder Holzpellets, so dass es sich für das Rösten der Bohnen uneingeschränkt eignet.

Aoki fielen die großen Mengen an Kaffeesatz, die täglich entsorgt wurden, zum ersten Mal auf, als er in Teilzeit in einem Café arbeitete. Ihm erschien dies als eine große Verschwendung, so dass er nach einem Weg suchte, um diesen Abfall effektiv zu nutzen. „Das Auftreten von Corporate Coffee Shop-Ketten hat Filterkaffee zu einem Bestandteil des Alltags der Menschen gemacht, und es sah so aus, als würde der Kaffeekonsum weiter zunehmen“, so Aoki. „Ich nahm daher an, dass die großen Kaffeehaus-Ketten bei der Suche nach einer Lösung der Probleme, die beim Entsorgen des Kaffeesatzes anfallen, die Führung übernehmen, aber nachdem ich in dieser Richtung keine Fortschritte erkennen konnte, habe ich mich schließlich entschieden, mich dieser Herausforderung selbst zu stellen.“

2019 nahm Aoki am damals erstmals veranstalteten Wettbewerb „Youth Co:Lab Social Innovation Challenge Japan“ teil. Er wurde vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und der Citi Foundation gesponsort. Dort wetteiferten junge Unternehmer miteinander um die Präsentation der besten Ideen für die Verwirklichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Aokis Vorschlag „Ein weltweit anwendbares Verfahren für eine zweite Verwendung von Kaffeesatz“ gewann bei diesem Event den ersten Preis und spornte ihn dazu an, voll und ganz als Unternehmers tätig zu werden.

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Bild: Ataraos Bohnen werden in speziell entwickelten Röstern geröstet und bei Veranstaltungen verkauft, die sich der Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit verschreiben.

Mit Blick auf die Zukunft hofft Aoki, dass er ein perfektes Kreislaufsystem schaffen kann, bei dem sogar die Asche, die nach dem Verbrennen der Kaffeesatz-Pellets anfällt, zur Verbesserung von Böden oder in Glasuren für Keramik genutzt werden kann.

„Wir beobachten bereits Sorgen hinsichtlich des sogenannten ‚2050-Problems‘, dass infolge der Auswirkungen des Klimawandels im globalem Rahmen die Menge der Bohnen, die in den Anbaugebieten für Kaffee geerntet werden kann, dramatisch zurückgehen wird“, meint Aoki. „Ich hoffe, dass unsere Initiative als ein kleiner Schritt zur Bewahrung der Umwelt sowie zur Bekämpfung des Treibhauseffekts beitragen kann. Ich wünsche mir, dass Kaffee sich von einem Alltagsgetränk zu einem Instrument entwickelt, das den Wert eines Ressourcenkreislaufs weltweit demonstriert.“

Es sieht so aus, als erschließe diese einzigartige Initiative für das Entdecken eines neuen Werts für Kaffeesatz, der bislang als wertlos entsorgt wurde, weitere Möglichkeiten für seine künftige Wiederverwertung.

* Der Kaffeeverbrauch weltweit wurde durch die Summierung von Einzelstatistiken sowohl für Import- als auch Exportländer mit dem höchsten Verbrauch berechnet. All Japan Coffee Association (Stand: 15. November 2024) https://coffee.ajca.or.jp/data/

Das Original dieses Beitrags wurde von KIZUNA, dem offiziellen Online-Magazin der Regierung von Japan, übernommen und für NEUES AUS JAPAN ins Deutsche übersetzt. Den Originalbeitrag (in englischer Sprache) finden Sie hier: https://www.japan.go.jp/kizuna/2026/01/yesterday_coffee_grounds_roast_today_beans.html